Zwischen KI und Empathie, Eindrücke von der DDX in München

Konferenzraum mit Teilnehmern und dem DDX-Logo auf der Leinwand

„Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen …“, hat meine Oma schon immer gesagt. Mitte Mai habe ich mich auf die Reise nach München zur DDX gemacht und erzähle euch gerne, was ich erlebt habe.

Zwischen Wiesn-Stimmung und UX-Konferenz

Neben der eigentlichen Konferenz haben auch die Hin- und Rückfahrt mit dem Zug einige Eindrücke hinterlassen. Damit meine ich nicht einmal die üblichen Verspätungen der Bahn, die gab es natürlich ebenfalls. Vielmehr waren es die vielen Feierwütigen, die mich unterwegs begleiteten. Einige waren auf dem Weg zum oder vom Stuttgarter Frühlingsfest, dazu kamen Junggesellinnenabschiede und eine riesige Gruppe von Fußballfans auf dem Heimweg vom Auswärtsspiel. Trotz vermutlich vieler Promille waren alle zum Glück harmlos. Nur auf die lautstarken, schrägen Gesänge von Fanparolen bis zu Schlagern hätte ich durchaus verzichten können. Langweilig waren die Fahrten jedenfalls nicht.

Doch nun zum eigentlichen Grund meiner Reise: die DDX Innovation & UX Conference in München. Schon die Agenda versprach spannende Vorträge von Sprecherinnen und Sprechern großer Unternehmen wie Microsoft, Miro, Figma oder adidas. Im Gegensatz zu anderen Konferenzen, die ich bisher besucht habe, gab es hier gleich drei parallele Lanes. Das bedeutete allerdings, dass ich mich ständig entscheiden musste, welchen Vortrag oder Workshop ich besuchen möchte.

Insgesamt war die Konferenz sehr gut organisiert. Die Räumlichkeiten bei Microsoft waren bestens geeignet, es gab mehrere Räume für Vorträge und Workshops und dank einer übersichtlichen gedruckten Agenda inklusive Lageplan fand man sich schnell zurecht. Die Atmosphäre war angenehm entspannt und ich habe mich mit vielen unterschiedlichen Menschen unterhalten.

Wenn Websites mitfühlen sollen

Gestartet habe ich mit dem Workshop „How to Design for the Empathic Web“ von Sebastian Löwe. Dabei ging es darum, wie sich Websites künftig stärker an das Verhalten und die Bedürfnisse der Nutzer anpassen könnten. Anhand von Nutzerverhalten wie Scrollen oder Klicks soll erkannt werden, in welcher Situation sich eine Person gerade befindet: Möchte sie sich nur informieren? Braucht sie Unterstützung bei einer Entscheidung? Oder weiß sie bereits genau, wonach sie sucht? Entsprechend verändern sich Inhalte, Größen von Buttons oder die Menge an Informationen und Bildern.

Für UX-Designer bedeutet das vor allem, noch genauer darüber nachzudenken, für welchen Moment und welche emotionale Situation ein Screen gestaltet wird. Genau das konnten wir im Workshop ausprobieren. Gemeinsam mit ein paar Mädels aus Norwegen habe ich an einem Szenario gearbeitet, in dem ein Mann online einen BH für seine Frau kaufen möchte. Er fühlt sich unsicher, klickt viele Modelle an, prüft Rücksendemöglichkeiten und braucht vor allem Orientierung und Vertrauen. Leider war die Zeit zu knapp, um das Konzept vollständig auszuarbeiten. Trotzdem war der Workshop ein spannender Ausblick darauf, wie personalisierte Nutzererlebnisse künftig aussehen könnten. Und vor allem hat wir Spaß dabei.

KI verändert nicht nur Tools, sondern Zusammenarbeit

Inhaltlich zog sich das Thema Veränderung und KI durch viele Vorträge des Tages. Bei „Strategic Design & Leadership in Times of AI“ ging es darum, dass Führungskräfte zunächst ein Umfeld schaffen müssen, in dem sich Mitarbeitende sicher fühlen und entfalten können. Erst auf dieser Basis lassen sich größere Veränderungen wie die Integration von KI sinnvoll umsetzen. Gleichzeitig wurde betont, wie wichtig es ist, das Tempo solcher Veränderungen im Blick zu behalten, damit niemand überfordert wird.

Etwas persönlicher wurde es anschließend bei „The Title Changed. Did You?“. Der Vortrag beschäftigte sich mit der Frage, wie sich Menschen nach einem Karriereschritt verändern müssen: Welche neuen Erwartungen entstehen? Welche Verantwortung kommt hinzu? Und wie wächst man in eine neue Rolle hinein? Für meine aktuelle Position war das zwar weniger relevant, trotzdem war der Vortrag kurzweilig und sympathisch gestaltet.

Beim „Fireside Chat“ tauschten sich Laura Fehre von Figma und Christian Hanke von Edenspiekermann über KI im geschäftlichen Alltag und viele angrenzende Themen aus. Besonders hängen geblieben ist bei mir der Gedanke, dass KI vor allem ein Werkzeug ist, das man verstehen und beherrschen muss. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass gerade junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Chance bekommen müssen, das eigentliche Handwerk zu lernen. Denn nur wer die Grundlagen versteht, kann überhaupt beurteilen, ob die Ergebnisse einer KI sinnvoll und richtig sind.

Nach so viel Input war die Mittagspause durchaus willkommen. Die Schlange in der Microsoft-Kantine war zwar lang, das Curry mit Reis dafür aber sehr lecker. Frisch gestärkt ging es anschließend in den langen Nachmittagsteil.

Warum Geschmack plötzlich wichtiger wird

Mein persönliches Highlight war der Vortrag „Designing the Human Layer of AI: Where Taste Becomes the Real Intelligence“ von Gleb Kuznetsov. Er beschrieb den persönlichen Geschmack als eine Art Muskel, den man trainieren kann. Geprägt wird dieser von allem, was wir seit unserer Kindheit erleben: von unseren Eltern, Filmen, Musik, Design, Ausstellungen oder Menschen, die uns beeinflussen. Je offener wir für neue Eindrücke sind, desto stärker entwickelt sich dieser „Geschmacksmuskel“.

Besonders interessant fand ich seine These, dass sich der allgemeine Geschmack etwa alle 20 Jahre neu erfindet. Als Beispiel zeigte er die Oberfläche von Windows 95 – etwas, bei dem meine Generation vermutlich eher zusammenzuckt, das auf jüngere Menschen aber plötzlich modern und frisch wirkt. An dieser Stelle musste ich direkt wieder an meine Oma denken: „Es kommt alles irgendwann wieder.“

Die Zukunft ist persönlich – vielleicht zu persönlich?

Auch die nächsten Vorträge beschäftigten sich mit der Frage, wie KI unseren Alltag und die digitale Interaktion verändern wird. Sowohl „AI Eats the Journey – What's Left of Your Brand?“ als auch „C-Suite’s Guide to a Journey-Centric Organisation and Leveraging AI“ gingen in eine ähnliche Richtung. Viele Dinge werden künftig vermutlich nicht mehr über klassische Bildschirme gesteuert, sondern über Gespräche mit KI-Systemen. Statt selbst in Shops zu suchen, sagen wir vielleicht einfach: „Meine Sportschuhe sind kaputt. Bestelle mir bitte das gleiche Paar wie letztes Mal.“ Oder: „Ich stehe gerade vor dieser Sehenswürdigkeit. Erzähl mir etwas darüber.“

Trotzdem wurde auch klar: Klassisches Screendesign wird deshalb nicht verschwinden. Menschen möchten weiterhin stöbern, vergleichen und sich inspirieren lassen. Genau dort können Unternehmen mit emotionalen Erlebnissen ansetzen und langfristige Bindungen schaffen. Bei Rituals wird der Kauf eines Shampoos zum Wohlfühlmoment, Playlists passen sich unserer Stimmung an und bei Starbucks steht der Lieblingskaffee vielleicht schon bereit, wenn man zur Arbeit läuft. Und genau hier schloss sich für mich wieder der Kreis zum empathischen Web vom Morgen: Design wird immer stärker kontextbezogen und personalisiert – und dabei geht es längst nicht mehr nur um das User Interface, sondern vor allem um die gesamte User Experience.

Mein persönlicher Kritikpunkt dabei ist allerdings, dass ich aktuell noch nicht bereit wäre, all diese sensiblen Daten über mich preiszugeben. Dafür müssen Unternehmen erst das nötige Vertrauen schaffen, damit Nutzer ihre Daten wirklich guten Gewissens teilen möchten.

Auch technisch bringt diese Entwicklung neue Anforderungen mit sich. Websites müssen künftig nicht nur für Menschen, sondern ebenso für Maschinen und KI-Systeme gut lesbar sein. Genau das haben übrigens auch meine Kollegen gelernt, die zeitgleich beim TYPO3 Camp in Heidelberg waren.

Später hörte ich noch den Vortrag „Designing with AI Agents: Rethinking UX in Systems That Think and Act“. Darin ging es darum, wie KI-Agenten künftig in Programme wie Microsoft Office integriert werden. Mein Kopf war zu diesem Zeitpunkt zwar schon ziemlich voll, trotzdem musste ich schmunzeln, weil mir Copilot in Word erst wenige Tage zuvor tatsächlich sehr geholfen hatte. Statt lange im Web nach einer Lösung zu suchen, konnte ich meine Frage direkt stellen und bekam sofort die richtige Antwort.

Einen schönen Schlusspunkt setzte anschließend Don Norman von der Nielsen Norman Group, der live aus den USA zugeschaltet war. Sein Vortrag trug den Titel „Design for a Better World“. Man merkte sofort, wie sehr ihm dieses Thema am Herzen liegt. Seine Botschaft war klar: Gutes Design, das für möglichst viele Menschen funktioniert, kann die Welt tatsächlich positiv verändern.

Was von der DDX hängen bleibt

Am Abend der Konferenz fiel es mir zunächst schwer zu greifen, was ich eigentlich konkret für mich mitgenommen hatte. Erst beim Schreiben dieses Rückblicks wurde mir klar, wie viele spannende und zukunftsweisende Gedanken hängen geblieben sind. Mein größtes Learning: Design wird immer stärker kontextbezogen und personalisiert. Dabei geht es längst nicht mehr nur um schöne Oberflächen, sondern vor allem darum, wie Menschen digitale Produkte erleben. Ich bin gespannt, wie sehr uns diese Entwicklungen in den kommenden Jahren begleiten werden – und wie viel davon schon bald ganz selbstverständlich zu unserem Alltag gehört.

Teilnehmerin Gina vor der DDX-Wand

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